Katalog/Stoffseite

Polypropylen (PP)

Polypropylen steckt in Verpackungen, Autoteilen und Haushaltswaren. Ein kaufbares PP aus erneuerbarem Kohlenstoff kennen wir nicht. Diese Seite zeigt, wie weit die Entwicklung ist.

01Wo es steht

Für Bio-PE wird Ethylen aus Zuckerrohr-Ethanol industriell hergestellt. Für PP fehlt das Gegenstück: Propylen, das ohne Massenbilanz aus erneuerbarem Kohlenstoff stammt, gibt es bisher nur im Versuch.

  • Sumitomo Chemical wandelt Ethanol in Propylen und daraus Polyolefine um: „In June of 2025, we set up a pilot plant.“ Muster gibt es auf Anfrage, ein C14-Wert ist nicht veröffentlicht. Verkauft werden soll laut eigener FAQ per Massenbilanz: „When selling to customers, we use the mass balance approach based on third-party certification“. Quelle
  • Mitsui Chemicals erprobt einen Weg über Fermentation zu Isopropanol, dann Propylen, dann PP: „world-first bio-polypropylene manufacturing trials“. Versuchsstadium, nicht kaufbar. Quelle
  • Braskem, der Hersteller von Bio-PE, führt im „I'm green“-Portfolio PE, EVA und PE-Wachs, aber kein PP. Quelle

02Was es zu kaufen gibt

Bio-PP haben wir nicht gefunden. Am nächsten kommen teilweise biobasierte PP-Compounds von FKuR mit 33 %. Bei PP 3505 stammt der Bio-Anteil laut FKuR aus beigemischtem Bio-HDPE, das PP-Copolymer darin ist nicht als biobasiert ausgewiesen. Bei PP 3509 nennt FKuR die Bio-Komponente nicht.

Wenn es 100 % sein muss

Dann geht es heute nur mit einem anderen Material. Diese Katalogprodukte ersetzen PP in einzelnen Anwendungen, sind aber kein Drop-in.

03Warum Massenbilanz nicht zählt

Viele große Hersteller verkaufen „bio-attributed“ oder „renewable“ PP. Dabei läuft etwas Bio-Naphtha oder Altspeiseöl zusammen mit fossilem Rohstoff durch einen großen Cracker. Den Bio-Anteil schreibt der Hersteller dann rechnerisch einzelnen Chargen zu, meist zertifiziert nach ISCC PLUS.

Das ist Buchhaltung. Physisch verteilt sich der erneuerbare Kohlenstoff auf die gesamte Produktion. Physisch ist das Granulat im Sack überwiegend fossiles PP. Wir führen solche Ware deshalb weder im Katalog noch hier als Produkt. Beispiele:

  • Borealis · Bornewables

    Altspeiseöl und Reststoffe der Pflanzenölverarbeitung

    „The Bornewables™ are based on the mass balance approach“ Quelle

  • TotalEnergies · RE:newable

    Bio-Rohstoffe aus der Bioraffinerie La Mède

    „TotalEnergies contributes to the CooperVision’s “Plastic Made Better” program by implementing certified renewable polypropylene through a mass balance approach in certain CooperVision blister packs.“ Quelle

  • Mitsui Chemicals / Prime Polymer · Prasus

    Bio-Kohlenwasserstoffe aus Altspeiseöl im Cracker

    „Bio-based hydrocarbon derivatives via the mass balance method (ISCC PLUS certified; as of June 2024)“ Quelle

04Was für fossilfreies PP passieren muss

  • Erneuerbares Propylen in Menge. Die Wege über Ethanol (Sumitomo) und über Fermentation zu Isopropanol (Mitsui) müssen aus dem Pilotmaßstab heraus.
  • Bio- oder mineralische Additive. Sonst bleibt auch ein PP aus Bio-Propylen knapp unter 100 %, wie heute Bio-PE.
  • Power-to-X als zweiter Weg. Methanol aus CO₂ und grünem Wasserstoff (e-Methanol) lässt sich über das Methanol-to-Olefins-Verfahren zu Ethylen und Propylen umsetzen. e-Methanol wird kommerziell geliefert, etwa aus der Anlage Kassø in Dänemark Quelle; ein daraus hergestelltes PP kennen wir noch nicht als Produkt.

05Status

StatusWir nehmen ein PP-Produkt in den Katalog auf, sobald ein Hersteller 100 % per C14 auf Sortenebene belegt.

Alle Zahlen mit verlinkter Quelle, Recherchestand Oktober 2026. Ein C14-Wert nach ASTM D6866 misst den Anteil biobasierten Kohlenstoffs im fertigen Material. „C14“ an einer Sorte heißt: Die Quelle nennt diese Norm. „ohne Norm“ heißt: Die Quelle nennt nur den Prozentwert. Fehler gefunden oder eine Sorte mit 100 %? Sagen Sie es uns.