Wissen
8 Artikel zu fossilfreien Chemikalien, Drop-in-Materialien, Scope 3 und Regulatorik. Autor: Tim Breitmar.
Warum
Von rund 1.125 Mt Chemikalien pro Jahr sind 0,2 % fossilfrei. Alle 18 untersuchten Polymere und Basischemikalien lassen sich auch aus Biomasse, CO₂ oder erneuerbarem Strom herstellen; bei 11 davon gibt es noch keine Produktion am Markt. Die größten Lücken ohne fossilfreie Alternative am Markt sind BTX (135 Mt/a), Propylen (130 Mt/a), Terephthalsäure (90 Mt/a) und Polypropylen (87 Mt/a). Die vorhandene fossilfreie Kapazität verteilt sich auf Bio-MEG (600 kt/a), Bio-Polyole (500 kt/a), PLA (350 kt/a), Bio-Ethylen und Bio-PE (Braskem, 260 kt/a; Bio-PE meist mit mindestens 84 bis 96 % erneuerbarem Kohlenstoff), Bio-Methanol (200 kt/a) und PA11 (50 kt/a).
Quellen: Statista, PlasticsEurope (The Facts 2024), European Bioplastics (Market Data 2024/2025), ChemAnalyst, S&P Global, ICIS, IRENA (Renewable Methanol 2021), Herstellerangaben von Braskem, Arkema, NatureWorks und Avantium. Stand der Recherche: April 2026.
#SafeToBurn🔥
Unser Kriterium im Katalog: Der Kohlenstoff im Material stammt vollständig aus Biomasse oder Luft-CO₂, laut Herstellerangabe mit Quelle am Eintrag; Massenbilanz-Angebote zählen nicht. Bei der Verbrennung entsteht dann kein fossiles CO₂. Recycling bleibt die bessere Option.
In Deutschland wurden 2023 rund 61 Prozent der Kunststoffabfälle energetisch verwertet (Umweltbundesamt). Für diese Fraktion entscheidet die Herkunft des Kohlenstoffs im Material, ob bei der Verbrennung fossiles CO₂ entsteht oder Kohlenstoff zurückkehrt, der zuvor aus der Atmosphäre gebunden wurde. Bei erdölbasierten Kunststoffen wird Kohlenstoff freigesetzt, der seit Millionen Jahren im Boden gebunden war.
#SafeToBurn🔥 ist weder Zertifikat noch Norm. Der Rohstoff kann bio-basiert sein oder aus CO₂-basierten Verfahren wie Direct Air Capture (DAC) stammen. Nicht qualifiziert sind Kunststoffe mit fossilen Additiven, Füllstoffen oder nur teilweise bio-basierte Blends, ebenso Polymere aus CO₂ fossiler Punktquellen wie Kraftwerken. Bio-basiert und biologisch abbaubar sind zwei verschiedene Eigenschaften: Bio-PE ist chemisch identisch mit fossilem PE, also nicht abbaubar und genauso recyclebar.
Gilt für die Kohlenstoffbilanz des Materials. Anbau, Landnutzung, Transport und Produktion sind nicht Teil dieser Aussage. Details im Artikel.
Regulatorik
Emissionen aus eingekauftem Material gehören in den Scope-3-Bericht.
Eingekauftes Material ist Scope 3. Die ESRS in der Fassung der Delegierten Verordnung (EU) 2023/2772 sehen in ESRS E1 (Angabepflicht E1-6) die Angabe der Scope-3-Emissionen vor, soweit sie wesentlich sind. Die Richtlinie (EU) 2025/794 hat die Berichtspflicht für die zweite Welle um zwei Jahre verschoben, auf Geschäftsjahre ab dem 1. Januar 2027. Das Omnibus-I-Paket hat den Anwenderkreis auf Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten und mehr als 450 Mio. EUR Nettoumsatz verkleinert (DLA Piper, Stand 09.09.2026). Bei fossilfreien Materialien stammt der Kohlenstoff im Material selbst nicht aus Erdöl.
Emissionen aus der Herstellung eingekaufter Materialien zählen zu Scope 3 und werden berichtet, soweit sie wesentlich sind.
Die Verpackungsverordnung (EU) 2025/40 schreibt ab 2030 Rezyklatquoten vor (Art. 7), keine bio-basierten Anteile. Ziele für bio-basierte Rohstoffe prüft die Kommission bis Februar 2028 (Art. 8).
Bewertet wird die Kohlenstoffbilanz des Materials selbst (Scope 3, Kategorie Einkauf). Transport, Energie und Produktionsprozesse sind nicht Teil dieser Aussage.
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