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Safe to Burnfossilfreie Polymerenicht-fossiler Kohlenstofferneuerbare RohstoffeDrop-in-Polymere
Tim Breitmar · 3.4.2026

Safe to Burn: Was das Label für Kunststoffe ohne fossilen Kohlenstoff bedeutet

In Deutschland wurden 2023 rund 61 Prozent der Kunststoffabfälle energetisch verwertet. Für diese Fraktion entscheidet die Herkunft des Kohlenstoffs im Material, ob bei der Verbrennung fossiles CO2 entsteht oder Kohlenstoff zurückkehrt, der zuvor aus der Atmosphäre gebunden wurde. Das #SafeToBurn🔥-Label kennzeichnet auf defosil. Kunststoffe der zweiten Gruppe: Der Kohlenstoff im Werkstoff stammt zu 100 % aus Biomasse oder aus Luft-CO2.

Abgrenzung: #SafeToBurn🔥 bewertet den Kohlenstoff im Werkstoff, nicht die Energie für Transport, Produktion oder Logistik. Der Strom für die Anlage und der Diesel für den LKW liegen außerhalb dieser Betrachtung. Unser Beitrag gilt dem Material selbst.

Was steckt hinter #SafeToBurn🔥?

#SafeToBurn🔥 ist unser Kriterium auf defosil., nach dem wir Materialien im Katalog kennzeichnen: 100 % nicht-fossiler Kohlenstoff im Material, belegt durch Herstellerangabe oder Messung des erneuerbaren Kohlenstoffs (C14 nach ASTM D6866). Ein ISCC+-Zertifikat allein reicht nicht, weil ISCC+ oft Massenbilanz zertifiziert und damit keinen physischen Anteil belegt. Es ist weder Zertifikat noch Norm. Der Rohstoff kann bio-basiert sein oder aus CO2-basierten Verfahren wie Direct Air Capture (DAC) stammen.

Die Logik dahinter: Wenn ein Kunststoff ausschließlich Kohlenstoff enthält, der zuvor der Atmosphäre entnommen wurde, setzt seine Verbrennung kein fossiles CO2 frei. Bei erdölbasierten Kunststoffen wird dagegen Kohlenstoff freigesetzt, der seit Millionen Jahren im Boden gebunden war.

Warum die Industrie dieses Kriterium braucht

Einkaufsleiter:innen und Sustainability-Manager:innen stehen vor einem konkreten Problem: Nicht jedes Kunststoffprodukt wird recycelt. 2023 wurde in Deutschland der größere Teil der Kunststoffabfälle energetisch verwertet (siehe oben).

Für diese Fraktion macht es einen Unterschied, ob der verbrannte Kunststoff aus fossilem oder nicht-fossilem Kohlenstoff besteht:

  • Fossiler Kunststoff: Die Verbrennung setzt zusätzliches, fossiles CO2 in die Atmosphäre frei.
  • Kunststoff aus nicht-fossilem Kohlenstoff: Die Verbrennung setzt CO2 frei, dessen Kohlenstoff zuvor aus Biomasse oder Luft-CO2 gebunden wurde. Fossiles CO2 entsteht nicht.

#SafeToBurn🔥 macht diesen Unterschied gegenüber Kunden und in Nachhaltigkeitsberichten sichtbar. Die PPWR (Verordnung (EU) 2025/40) bewertet die Kohlenstoffherkunft bisher nicht; sie schreibt Rezyklatquoten vor und prüft biobasierte Anteile erst in einer Review bis Februar 2028 (Art. 8, Zusammenfassung FKuR).

Welche Materialien qualifizieren sich?

Qualifiziert ist ein Kunststoff nur, wenn der Kohlenstoff im Polymer vollständig aus nicht-fossilen Quellen stammt. Die wichtigsten Materialklassen:

Bio-basierte Drop-in-Polymere

Diese Kunststoffe werden aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Einige sind chemisch identisch mit ihren fossilen Pendants, andere sind eigene Moleküle.

  • Bio-PE (Bio-Polyethylen): Hergestellt aus Bioethanol, gewonnen aus Zuckerrohr. Chemisch identisch mit fossilem PE. Qualifiziert sich bisher nicht: je nach Sorte mindestens 84 bis 96 % erneuerbarer Kohlenstoff, 100 % ist bei keiner uns bekannten Sorte belegt (Polyethylen).
  • Bio-PA11 (Bio-Polyamid 11): Hergestellt aus Rizinusöl, Arkema vertreibt es unter der Marke Rilsan. Ein anderes Molekül als PA12 und deshalb kein Drop-in im engen Sinn, sondern eine funktional ähnliche Alternative.
  • Bio-PP (Bio-Polypropylen): Bisher nicht kaufbar. Erneuerbares Propylen gibt es nur in Pilotanlagen und Versuchen, Stand auf der Seite Polypropylen.

CO2-basierte Polymere

Noch in der Skalierung: Polymere aus CO2, das per Direct Air Capture der Atmosphäre entnommen und über Power-to-X-Verfahren in Monomere umgewandelt wird. Einen kaufbaren Kunststoff aus diesem Pfad kennen wir bisher nicht.

Was sich nicht qualifiziert

Kunststoffe mit fossilen Additiven, Füllstoffen oder Blends, die nur teilweise bio-basiert sind, erfüllen das Kriterium nicht. Ebenso ausgeschlossen: Polymere aus CO2, das fossilen Punktquellen (z.B. Kraftwerken, Industrieanlagen) entstammt. Nur atmosphärisches CO2 via Direct Air Capture zählt. Der nicht-fossile Anteil muss nachweisbar sein, per Herstellerangabe oder Messung; eine Massenbilanz-Zuordnung zählt nicht.

Bio-basiert und biologisch abbaubar sind zwei verschiedene Eigenschaften

Ein häufiges Missverständnis in der B2B-Kommunikation: Bio-basiert und biologisch abbaubar beschreiben verschiedene Dinge.

  • Bio-basiert beschreibt die Herkunft des Rohstoffs. Bio-PE kommt aus Zuckerrohr, ist aber chemisch identisch mit fossilem PE und genauso persistent.
  • Biologisch abbaubar beschreibt das Verhalten am Lebensende. Ob und unter welchen Bedingungen ein Kunststoff abgebaut wird, ist eine eigene Prüffrage.

Ein Kunststoff kann bio-basiert sein, ohne biologisch abbaubar zu sein, und umgekehrt. Für #SafeToBurn🔥 zählt ausschließlich die Rohstoffherkunft.

Recycling bleibt die erste Wahl

Die Abfallhierarchie nach § 6 Kreislaufwirtschaftsgesetz bleibt bestehen: Vermeidung, Vorbereitung zur Wiederverwendung, Recycling, erst dann sonstige Verwertung, etwa energetische, und zuletzt Beseitigung. Wenn ein Kunststoffprodukt am Ende seines Lebens verbrannt wird, sollte dabei kein fossiles CO2 entstehen.

Für den Anteil, der thermisch verwertet wird, schafft #SafeToBurn🔥 Transparenz und ein klares Differenzierungsmerkmal.

Was bedeutet das für Ihren Einkauf?

Für OEMs und Hersteller ergeben sich konkrete Handlungsoptionen:

  1. Materialsubstitution prüfen: Für einige Standardkunststoffe, etwa PE, gibt es chemisch identische Alternativen aus erneuerbarem Kohlenstoff. Ob Prozess oder Freigaben angepasst werden müssen, hängt von Sorte und Anwendung ab.
  2. Preisdelta einordnen: Bio-PE kostet je nach Quelle und Marktphase 20 bis 50 % mehr als fossiles PE (IfBB Hannover: rund 20 %; Polymer Innovation Blog, 2013: rund 50 %). Rechenbeispiel: Macht das Gehäuse angenommen 2 bis 5 % der Gesamtkosten aus, ergeben 20 bis 50 % Aufpreis 0,4 bis 2,5 % auf das Endprodukt.
  3. Berichtspflichten nutzen: Eingekaufte Materialien zählen zu Scope 3, Kategorie 1. Wie ein Materialwechsel dort wirkt, hängt vom PCF des Lieferanten und Ihrer Berichtsmethodik ab.
  4. Lieferketten aufbauen: Frühzeitige Partnerschaften mit Anbietern schaffen Zugang.

Was das Kriterium leistet

#SafeToBurn🔥 ist bewusst einfach gehalten: kein Zertifizierungsprozess, keine Lizenzgebühren. Die Aussage ist binär: Entweder der Kunststoff besteht zu 100 % aus nicht-fossilem Kohlenstoff oder nicht.

Für Unternehmen, die ihre Kunststoffbilanz verbessern wollen, sind Kunststoffe aus 100 % erneuerbarem Kohlenstoff ein naheliegender Hebel. #SafeToBurn🔥 macht diesen Vorteil kommunizierbar.


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Quellen: Bio-PE-Aufpreis: IfBB Hannover, FAQ "Sind Biokunststoffe teurer als konventionelle erdölbasierte Kunststoffe?" (rund 20 %), abgerufen 09.09.2026, https://www.ifbb-hannover.de/de/faq/sind-biokunststoffe-teurer-als-konventionelle-erdoelbasierte-kunststoffe.html; Polymer Innovation Blog, "Bio-Polyethylene: Drop-in Replacement" (rund 50 %), 2013, https://polymerinnovationblog.com/bio-polyethylene-drop-in-replacement/. PPWR: Verordnung (EU) 2025/40, Art. 7 (Rezyklatquoten ab 2030) und Art. 8 (Review biobasierter Kunststoffe bis 12.02.2028), in Kraft 11.02.2025, anwendbar ab 12.08.2026, https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2025/40/oj; Zusammenfassung FKuR https://fkur.com/en/knowledgebase/ppwr-eu-packaging-waste-regulation/. Energetische Verwertung 2023: Umweltbundesamt https://www.umweltbundesamt.de/daten/ressourcen-abfall/verwertung-entsorgung-ausgewaehlter-abfallarten/kunststoffabfaelle. Bio-PE: FKuR https://fkur.com/en/bioplastics/im-green-polyethylene. PA11: Arkema https://www.extremematerials-arkema.com/en/product-families/rilsan-polyamide-11-family/. Abfallhierarchie: § 6 KrWG, https://www.gesetze-im-internet.de/krwg/__6.html

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